Die Behauptung, dass die Pioniere der ersten Stunde, Künstler_innen, Studierende und alternative Kulturschaffende, der Auslöser für Gentrifizierungsprozesse in einem Stadtteil seien, ist eigentlich eine typische Argumentation der konservativen Ecke und schlichtweg falsch. Nicht die, die sich Freiräume und Nischen zu Nutze machen und somit einen Stadtteil beleben, sind verantwortlich für den Ausverkauf eines Viertels und die damit einhergehenden Verdrängungsprozesse. Erst die profitorientierte Immobilienwirtschaft, die auf eine steigende Attraktivität eines Quartiers spekuliert und darüber versucht die höchst mögliche Rendite aus den Objekten heraus zu pressen, ist der maßgebliche Verursacher für die Aufwertung eines Stadtteils und dem damit einhergehenden Verlust von Freiräumen. Die Immobilienwirtschaft und die durch sie beauftragten PR-Agenturen, aber auch die Stadt Leipzig selbst, werden nicht müde die Werbetrommel für „Hypezig“ zu rühren und unter Bezugnahme auf die kreative Szene und die viel zitierte „Leipziger Freiheit“ eine Marketingstrategie zu betreiben, die auf zahlungskräftige Zuzügler abzielt. Die Haltung unseres OBMs Burkhard Jung: „Wir müssen diese Welle nutzen. […] ohne Geld von Außen werden wir es nicht schaffen“* ist zu kurzsichtig gedacht. Der Ausverkauf einer Stadt an Spekulanten und Kapitalanleger hat zur Folge, dass das Grundbedürfnis Wohnen weiter kapitalisiert wird und Freiräume zur Auslebung selbst bestimmter Kreativität immer mehr aus dem Stadtbild verschwinden. Wir sollten uns nicht verstecken, sondern wir müssen in die Spekulation um unsere Freiräume eingreifen und dürfen uns nicht von der PR Maschinerie der Immobilien-wirtschaft einspannen lassen. Aktiv werden, Freiräume sichern, Kontakte mit den „nicht-so-kreativen“ Nachbar_innen aufbauen, sich solidarisch auf der ganz praktischen Ebene zeigen und überlegen, wie ein Protest & Widerstand gegen die kommerzielle Ausbeutung des Quartiers aussehen kann. Wir sind für eine Stadt für alle.